Dimitri Känel
Sumpf-Stendelwurz
Epipactis palustris (L.) Crantz
Die Sumpf-Stendelwurz ist eine elegante und wertvolle Orchidee, die die Lebensräume, in denen sie wächst, widerspiegelt. Seit jeher Ziel zahlreicher Aberglauben, werden Feuchtgebiete heute als wahre Schätze der Biodiversität anerkannt. Sie beherbergen unzählige Pflanzen und Tieren und zudem langfristig grosse Mengen CO₂ speichern. Schon in der Antike wurden Moore entwässert und zerstört, weil man glaubte, Krankheiten würden sich in diesen feuchten, düsteren Lebensräumen entwickeln, in denen Mücken in Massen auftreten. Im Mittelalter brachte man faule und schädliche Fieber, aber auch Hunger und Not mit diesen stehenden Gewässern in Verbindung, die als lebensfeindlich galten. Erst mit den Entdeckungen von Louis Pasteur im 19. Jahrhundert begann man, diese absurden Vorstellungen zu entzaubern – Vorstellungen, die bis heute erstaunlich hartnäckig geblieben sind. Die Sumpf-Stendelwurz ist eine grosswüchsige, lichtliebende Orchidee. Sie wird bis 60 cm hoch und sticht durch ihren lockeren Blütenstand mit kurzflaumigen, aschgrünen bis braunpurpuren Blüten hervor. Die Blüten besitzen eine Lippe mit beweglicher Epichile und einem bemerkenswerten Hypochile in Kelchform, weiss mit purpurnen Nerven. Sie produzieren eine kleine Menge Nektar.
ANEKDOTE
Die Sumpf-Stendelwurz vermehrt sich hauptsächlich durch Selbstbestäubung und vegetativ. Sie hat mehrere bestätigte Bestäuber. Die Lehmwespen der Gattung Eumenes zahlen zu den wichtigsten Pollenübertragern. Zusammen mit der Zwergorchis und der Grüne Hohlzunge gehört die Sumpf-Stendelwurz zu den Orchideen, bei denen Ameisen einen Teil der Bestäubung übernehmen.
ERHALTUNG
Die Sumpf-Stendelwurz besiedelt Flachmoore und Feuchtwiesen bis 2100 m ü. M. Sie ist durch den Verlust ihres Lebensraums gefährdet. Seit 1850 sind in der Schweiz 80 % der Auenbereichen und 90 % der Moore zugunsten der Urbanisierung und intensiven Landwirtschaft verschwunden. Zudem reagieren Moore besonders empfindlich auf den Klimawandel.
GEFÄHRDUNGEN
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Ungeeignete Nutzung
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Zerstörung des Lebensraums
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Sammeln, Tritt
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Trockenlegung, Entwässerung und Aufschüttung
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Invasive Neophyten