Dimitri Känel
Schwarzes Männertreu
Nigritella rhellicani Teppner & E. Klein
Das Schwarze Männertreu blüht ab Mitte Juli auf Alpwiesen, auf trockenen bis frischen kalkhaltigen Böden zwischen 1000 und 2800 m ü. M. Diese emblematische Alpenblume trägt einen pyramidalen Blütenstand mit zarten, dicht beieinanderstehenden kleinen Blüten. Die Blüten sind meistens purpur-schwarz gefärbt, und weist seltener rote, rosa, gelbliche oder orange Töne auf. Obwohl sie generell als Vanille-Orchis bezeichnet wird, verströmt das Schwarzes Männertreu tatsächlich einen Schokoladenduft, der zahlreiche Schmetterlinge anlockt. 48 Arten sind als regelmässige Besucher dokumentiert. Der Name geht auf eine Zeit zurück, als der umwerfende Vanilleduft sich schnell auf dem alten Kontinent verbreitete. In Gegensatz dazu brauchte die Schokolade länger, um sich in unserer europäischen Küche durchzusetzen, obwohl sie zur gleichen Zeit wie die Vanille entdeckt wurde. Ludwig XIV., der die Bitterkeit der Kakaobohne nicht mochte, verzögerte sogar ihre Verbreitung. Erst die Schokoladenfabriken des 19. Jahrhunderts machten sie zu einem unverzichtbaren Dessert.
ANEKDOTE
Die Knolle des Schwarzes Männertreu hat eine Form, die an eine Hand erinnert. Eine Legende erzählt von einem Mönch auf Wallfahrt, der die Hand einer Statue in einer Kapelle stahl. Auf dem Rückweg erfuhr er göttlichen Flüchen, daher begrub er die gestohlene Hand. Im folgenden Jahr fand man in dieser Wiese die Leiche eines Mannes. Neben ihm wuchs eine Blume mit der Farbe des Blutes und himmlischem Duft, deren Wurzel die Form einer Kinderhand hatte.
ERHALTUNG
Während meiner Ausflüge ins Wallis erzählten mir mehrere erfahrene Wanderer, dass ehemals Tausende von Männertreu die Rasen der Hochlagen bedeckten und der Duft dieser Blumen ganze Täler erfüllte. Heute ermöglichen Bau und Verbesserung der Wege den Zugang zu Bergflanken, die früher vom Menschen bewahrt wurden. Das Einbringen von Dünger zur Futterverbesserung von Wiesen und Weiden wird immer weiter in höhere Lagen erweitert. Dieser Prozess verändert grundlegend die Bodenzusammensetzung und die Pflanzenwelt zulasten der Orchideen und vieler anderer Alpenpflanzen. Eine ihrer nächsten Verwandten, das Österreichische Männertreu wächst im Juragebirge und gilt als verletzbar. Die Schwarze Männertreu ist in der Schweiz weit verbreitet, im Juragebirge jedoch potenziell gefährdet.