Dimitri Känel
Langblättriges Waldvögelein
Cephalanthera longifolia (L.) Fritsch
Das Langblättriges Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) hat reinweissen Perigoblätter, die besonders beeindruckend in der Sonne strahlen. Es ist die erste die dreien Schweizer Waldvögelein, die Mitte April blüht. Diese schlanke Pflanze zeichnet sich vor allem durch ihr Büschel langer, wechselständiger Blätter aus, der sie leicht von der Weisse Waldvöglein (C. damasonium) unterscheidet, die kurzen und gedrungenen Blätter besitzt, deren cremweisse Blüten nur im Mai erscheinen und sich nur bei grosser Hitze öffnen. Wenn ihr Blütenstand die Reife erreicht, erwecken die Blüten den Eindruck, als befänden sie sich mitten im Aufblühen. Die Spitze der Lippe, geschmückt mit fast glühend orange-gelben Leisten, imitiert das gelbe Herz und die Staubblätter der Blüte der Salbeiblättrigen Zistrose (Cistus salviifolius). Diese Nachahmung ermöglicht es, kleine Wildbienen der Gattungen Halictus und Lasioglossum anzulocken, die die Bestäubung dieser bemerkenswerten Orchidee sicherstellen. Diese Orchidee wächst in lichte Wälder, Magerwiesen und Krautsaum und ist in der Schweiz sporadisch verbreitet, wo sie halbschattige Kalkboden besiedelt. Sie kann auch ohne die Pflanze gedeihen, die sie imitiert, allerdings mit einer weniger effektiven Bestäubung.
ANEKDOTE
Waldvöglein (Cephalanthera) ist ein Pflanzengattung innerhalb der Familie der Orchideen, das nah Neottieae steht, aber unterscheidet sich jedoch durch eine tief liegende Lippe, das kein Nektar produziert und in zwei Teile, Epichil und Hypochil, gegliedert ist. Letzteres sind mit farbigen Papillen, die als Köder funktionieren. Waldvöglein imitieren oft andere Pflanzen, um ihre Bestäubung sicherzustellen, und können sich manchmal durch Selbstbefruchtung vermehren, wie im Fall der Weisse Waldvöglein (Cephalanthera damasonium).
ERHALTUNG
Diese schöne Orchidee der Orchidee-Buchenwälder gilt zurzeit in der Schweiz als ungefährdet und man kann diese Art sporadisch in ganze Landesgebiet bis 2000 m ü. M beobachten. Sie besitzt eine eurasiatisch-gemässigte bis submediterrane Verbreitung, vom Atlantik über Norwegen bis zum Kaukasus, mit kleinen disjunkten Arealen im Ural, im Norden des Irans und im westlichen Himalaya. Es ist jedoch interessant festzustellen, dass sie in Belgien selten und in den Niederlanden sogar äusserst selten ist. In Litauen existieren nur wenige Populationen dieser Art. Trotz ihren nicht gefährdet Status in der Schweiz gehen die Vorkommen diese Art europaweit langsam zurück.