Dimitri Känel
Kleine Spinnen-Ragwurz
Ophrys araneola Rchb.
Ophrys araneola ist noch seltener als die Gewöhnliche Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes), und ihre Verbreitung in der Schweiz beschränkt sich auf das Mittelland und den Jurabogen. In Zentraleuropa weist diese Art ebenfalls ein begrenztes Verbreitungsgebiet auf. Im Gegensatz zur Gewöhnlichen Spinnen-Ragwurz, die im April blüht und von vier Wildbienenarten der Gattung Andrena bestäubt wird, treibt die Frühblühende Spinnen-Ragwurz ihren Blütenstand bereits ab März. Wie das Provence-Knabenkraut wird sie ausschliesslich von der Sandbiene (Andrena lathyri) bestäubt, deren Frühlingsaktivität besonders früh einsetzt. Sie unterscheidet sich zudem von O. sphegodes durch ihre kleine Lippe, die 10 mm nicht überschreitet und meist kaum höckerig und eher abgerundet ist, mit einem grau-blauen, weiss geränderten H-förmigen Fleck und einem gelblich-grünen Rand. In Frankreich, in Deutschland, aber auch im Kanton Genf wächst O. araneola oft an denselben Standorten wie O. sphegodes, was zu schwer benennbaren Hybriden führt. Die genetische Analyse oder die Bestimmung der jeweiligen Bestäuber wird dann unerlässlich.
ANEKDOTE
Die wenigen spinnenförmigen Ophrys-Arten verdanken ihren Namen dem allgemeinen Aussehen der Blüte. Die Lippe erinnert an den Hinterleib eines Spinnentiers, und das Stigma sowie die Pollinien ähneln einem Prosoma, von dem die möglichen Beine in Form der drei Kelchblätter und zwei Kronblätter ausgehen. Andere Naturalisten und Naturalistinnen sind der Meinung, dass der Name von den Mustern der Lippe herrührt, die manchmal an eine Spinne erinnern.
ERHALTUNG
Wie Ophrys sphegodes ist auch die Kleine Spinnen-Ragwurz eine seltene und in der ganzen Schweiz bedrohte Pflanze. Sie gilt als verletzlich, und ihre Vorkommen gehen zurück. Die beiden nahe verwandten Arten haben eine fast identische Ökologie, auch wenn O. sphegodes in der Schweiz deutlich weiterverbreitet ist. Sie sind charakteristische Arten der mitteleuropäischen Halbtrockenrasen der kollinen Stufe mit subozeanischem Klima. Basel-Landschaft, Solothurn, Zürich und Genf sind die einzigen Kantone, die Schutzmassnahmen ergreifen. Im Kanton Genf bestehen nur noch zwei Populationen. Im Kanton Zürich stehen vierzehn Populationen unter Schutz, während 27 bereits verschwunden sind. In Europa wächst die Kleine Spinnen-Ragwurz nur in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und der Schweiz. Die Ursachen ihres Rückgangs sind vor allem der Verlust ihres Lebensraums und der Rückgang der Insekten, die diese Pflanze bestäuben.
GEFÄHRDUNGEN
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Kleine, isolierte Vorkommen
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Ungeeignete Pflege und Nutzung
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Konkurrenz, Verbuschung
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Sammeln, Ausgraben von Pflanzen, Tritt
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Asynchronismus zwischen Blüte und Bestäubern
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Mangel an Pionierflächen
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Eingeschränktes Verbreitungsgebiet
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Zerstörung des Lebensraums