Dimitri Känel
Grüne Hohlzunge
Coeloglossum viride (L.) Hartm.
Die Grüne Hohlzunge wächst häufig auf kalkliebenden Böden, auf den Jura-Gipfeln, in den Weiden der Voralpen und auf Alpwiesen, da diese Pflanze kühle Temperaturen und kurzgrasige Vegetation liebt. Klein und unauffällig, wird sie von Spaziergängern oft nicht bemerkt. Vollständig grün gekleidet, zeigen ihre gelben Blüten manchmal orangefarbene oder braune Töne. Sie besitzt handförmig geteilte Knollen und das Aussehen ihrer langen Lippe erinnert an einen Frosch, der die Zunge rausstreckt. Diese Orchidee ist in Europa bis Sibirien und Nordamerika weit verbreitet, aber sie ist nie reichlich, sondern bildet meist kleine, isolierte Kolonien. Ihr Sporn ist kurz und enthält Nektar. Eine Besonderheit dieser Art ist, dass sie hauptsächlich vom Soldatenkäfer Cantharis rustica bestäubt wird. Diese räuberischen Käfer ergänzen gerne ihre Ernährung mit dem süssen Nektar der Grünen Hohlzunge.
ANEKDOTE
Chinesische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben einen Extrakt aus Coeloglossum viride auf neuroprotektive Eigenschaften hin untersucht. Die Ergebnisse deuten auf ein bedeutsames Potenzial durch die Nutzung dieser Orchidee für die Entwicklung einer präventiven Behandlung gegen neuronale Degeneration hin.
ERHALTUNG
Die Grüne Hohlzunge ist sehr selten im Mittelland, wo sie durch intensive Landwirtschaft fast verschwunden ist. Trotzdem gilt sie in der Schweiz nicht als gefährdet, aufgrund ihres starken Vorkommens in Voralpen und Alpen.
Allerdings fehlen Kenntnisse über die Populationsdynamik. Diese kälteliebende Art ist besonders vom Klimawandel betroffen. In Frankreich gilt sie als potenziell gefährdet, in Lothringen sogar als vom Aussterben bedroht durch Umwandlung von Mähwiesen. In Belgien ist sie selten und stark rückläufig. Die belgischen Vorkommen sind durch Verbuschung von kalkliebenden Rasen, Eutrophierung der Wiesen, illegale Entnahmen und landwirtschaftliche Arbeiten bedroht.