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Gewöhnliche Hummel-Ragwurz

Ophrys holosericea (Burm. f.) Greuter

Die gewöhnliche Hummel-Ragwurz ist zweifellos die spektakulärste Ragwurz der Schweiz. Die Blüte besteht aus weissen bis violett-purpurfarbenen Kelchblättern und einem breit-trapezförmigen, rotbrauner bis schwarzpurpurfarbener Lippe. Diese Lippe ist mit einem Muster verziert, das oft an ein H oder X mit mehr oder weniger ausgeprägten Verzweigungen erinnert. Zusammen mit den Pseudoaugen unter den Pollinien entsteht ein psychedelisches Bild. Diese hochentwickelte Lippe dient dazu, männliche Solitärbienen der Gattung Eucera und Schwebfliegen der Gattung Microdon anzulocken. Sie glauben, in der Blüte ihre Braut zu erkennen, und versuchen mit ihr zu kopulieren. Dabei ist die Bestäubung sichergestellt. Jede Blüte der gewöhnlichen Hummel-Ragwurz ist eine einzigartige Blüte; ihre Beobachtung bietet immer wieder ein besonderes Entdeckungsvergnügen. Sie wächst vor allem in Mitteleuropa und Südeuropa, aber auch in Kleinasien und Syrien. Diese seltene Pflanze bevorzugt gut exponierte Magerwiesen, Ödland oder Laubwaldränder auf kalkhaltigem, gut drainiertem Boden. Sie besiedelt auch gerne Strassenböschungen und Bahndämme. Leider ist diese Art durch Verlust ihrer Lebensräume und den Rückgang der Insekten stark gefährdet.

ANEKDOTE

Lange Zeit waren die Experten und Expertinnen über den Zeitpunkt des Ursprungs der Orchideenfamilie im Laufe der Evolution gespaltet. Der Grund dafür ist die Besiedlung durch diese Pflanzen in nahezu allen Lebensräumen (mit Ausnahme von Wüsten und Fliessgewässern), insbesondere in tropischen Zonen. Leider begünstigt Feuchtigkeit keine Fossilisation. Die fossilen Entdeckungen sind umso seltener, als die Blütephase dieser Pflanzenfamillie sehr kurz ist! Im Jahr 2007 machte ein Team von Biologen und Biologinnen in der Dominikanischen Republik eine sehr seltene Entdeckung. Sie fanden eine in Bernstein eingeschlossene Biene mit Orchideenpollinien am Thorax! Die Biene der Art Proplebeia dominicana hatte also eine Blüte von Meliorchis caribea besucht. Heute sind diese beiden Arten ausgestorben.​ Die genealogische Rekonstruktion datierte den Ursprung der Orchideen in die Oberkreide, also auf etwa 76 bis 84 Millionen Jahre.

ERHALTUNG

Die Kantone Bern, Basel-Landschaft und St. Gallen sind die einzigen, die in-situ-Massnahmen zum Schutz dieser Art ergreifen.

GEFÄHRDUNGEN

  • Kleine, isolierte Vorkommen

  • Ungeeignete Pflege und Nutzung

  • Zerstörung des Lebensraums, Hofdüngergaben

  • Sammeln, Ausgraben von Pflanzen, Tritt

  • Wildfrass

  • Nutzungsaufgabe, Sukzession,

  • Zu hohe Vegetation im Winterhalbjahr

  • Inaturalist
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