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Gewöhnliche Breitblättrige Stendelwurz

Epipactis helleborine (L.) Crantz

Die gewöhnliche Breitblättrige Stendelwurz blüht im Sommer und gedeiht in Buchenwäldern von kollinen bis zur subalpinen Stufe. Sie bevorzugt schattige Bereiche in lichten, thermophilen Wäldern, wo sie oft zahlreich vorkommt. Diese Pflanze besitzt eine der beeindruckendsten Bestäubungsstrategien. Bei der Blütenöffnung bilden ihre Pollinien klebrige, viskose Pelotten. Eine äussere Hilfe ist unerlässlich, um den Pollen zu transportieren. Daher handelt es sich um eine Art, die zwingend auf Fremdbestäubung angewiesen ist. Die Insekten fungieren als Pollenübertrager. Diese Orchidee erzeugt einen Duft, der die Ausdünstungen imitiert, welche andere Pflanzen abgeben, wenn sie von pflanzenfressenden Raupen gefressen werden. Dieser Geruch lockt Raubwespen an, die nach Schmetterlingslarven für ihren Nachwuchs suchen. Die Wespen verlassen das Sonnenlicht, dringen in die Waldschatten ein und stehen plötzlich dieser sonderbaren Blüte gegenüber. Sie erkennen den Betrug. Allerdings lassen sie sich vom süssen Nektar in der Lippe der gewöhnlichen Breitblättrigen Stendelwurz, die die Form eines Kelches hat, verführen, um diesen energieaufwendigen Flug zu rentabilisieren. Der Nektar enthält Alkohol und Oxycodon, ein starkes Narkotikum aus der Familie der Opioide. Ein Tropfen reicht aus, um die Wespen zu betäuben. Sie stossen gegen die Blütenwände und überziehen sich mit Pollinien. Taumelnd verlassen sie den Wald, doch der listige Plan der gewöhnlichen Breitblättrigen Stendelwurz ist in Gang. Die nun süchtigen Wespen suchen rasch nach einer neuen Dosis. Sie landen auf einer anderen Blüte und übertragen so die wertvollen Pollinien, welche den Fortbestand der Art sichern.

ANEKDOTE

Nach der Befruchtung bildet die Gewöhnliche Breitblättrige Stendelwurz eine kapselförmige Frucht, die bei Trockenheit aufreisst. Sie setzt bis zu 10’000 Samen frei, die vom Wind dutzende Kilometer weit getragen werden können.

ERHALTUNG

Die Gewöhnliche Breitblättrige Stendelwurz ist auf dem ganzen schweizerischen Gebiet verbreitet. Sie wächst bis 2000 m ü. M. hoch und besitzt eine weite eurasische Verbreitung bis Skandinavien, in das Zentrum Sibiriens und nach Japan. Seit 150 Jahren kolonisiert sie sogar den Nordosten der USA nach der zufälligen Introduktion von Samen aus Deutschland. Diese Art ist im nationalen Gebiet nicht gefährdet und die Schweiz trägt keine Verantwortung für ihren internationalen Schutz.

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