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Frauenschuh

Cypripedium calceolus L.

Die Blüte des Frauenschuh ist die grösste aller europäischen Orchideenarten. Sie hat eine auffallend gelbe, schuhförmige Lippe, die der Art seinen Namen gegeben hat, und als Falle für deren Bestäuber dient. Sein Wurzelsystem teilt der Frauenschuh mit anderen Individuen, und der Anblick eines blühenden Bestandes wird sicherlich unvergesslich bleiben: die Lippen des Frauenschuhs wirken wie in der Luft schwebende, kleine Ballerinas,. Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch Sandbienen der Gattung Andrena. Zuerst werden diese von der leuchtend gelben Farbe der Blüte angezogen. Beim Näherkommen lockt der unwiderstehliche Duft des Frauenschuhes die Bienen in seine Falle. Um aus diesem rutschigen Gefängnis zu entkommen, müssen sich die Bienen durch einen engen Spalt zwängen, indem sie sich an die Pollinien reiben. Diese Orchidee vermehrt sich jedoch hauptsächlich vegetativ, und die seltene Bestäubung begrenzt ihre Konkurrenzfähigkeit. Bei erfolgreicher Befruchtung und wenn die Samen mit Tulasnellaceae-Mykorrhizen in Symbiose treten, entwickelt sich der Frauenschuh zunächst als Rhizom während dreier Jahre, bevor eine Jungpflanze entsteht. In der Reife ermöglicht seine Blattentwicklung dank Photosynthese die Unabhängigkeit von den Pilzen.

ANEKDOTE

Ich werde mich immer daran erinnern, wie ich zum ersten Mal einen Frauenschuh beobachtete. Der Hang war steil, es war ein regnerischer Tag. Nachdem ich einen schönen, aber schwer zugänglichen Ulmen-Ahornwald verlassen hatte, ging ich zwischen blühenden Alpenrosen an einem Steinschutthang entlang, über dem eine Felswand aufragte. Trotz des trüben und geheimnisvollen Wetters schien manchmal die Sonne durch den Nebel, und liess die Farben der Vegetation wieder aufleben. Dort sah ich zum ersten Mal einen Frauenschuh inmitten des hohen Grases einer kleinen Lichtung. Zauberhaft!

ERHALTUNG

Der Frauenschuh gilt als eine Schirmart, und seine Erhaltung ermöglicht den Schutz der empfindlichen Lebensräume, in denen er und andere Arten vorkommen, die mit ihm in Verbindung stehen. Der Frauenschuh mag direktes Licht und wächst vor allem auf Steinschutthang oder in offenen Lebensräumen an Lichtungen, wenn die anspruchsvollen Kriterien an die Bodenzusammensetzungen erfüllt sind. Der Boden sollte kühl, locker und reich an organischem Material sein, mit einem neutralen bis alkalischen pH-Wert auf kalkhaltigen Boden. Diese Orchidee hat im 20. Jahrhundert einen starken Rückgang erlebt durch tiefgreifende Veränderungen der Waldbedeckung infolge der damals intensiv betriebenen Forstwirtschaft und der Umwandlung von Wäldern in Nadelholz-Monokulturen. Im Juragebirge werden derzeit Versuche zur Wiedereinführung dieser Art unternommen.

GEFÄHRDUNGEN

  • Kleine, isolierte Vorkommen

  • Mangelnde populationsbiologische und ökologische Kenntnisse

  • Waldschluss, Verbuschung, Beschattung, Konkurrenz

  • Beweidung und ungeeignete Nutzung

  • Pflücken, Ausgraben, Tritt

  • Änderung Wasserregime, Grundwasserabsenkung

  • Fehlen von Waldpionierflächen im Mittelland und Jura

  • Inaturalist
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© Dimitri Känel 2025

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