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Fliegen-Ragwurz

Ophrys insectifera L.

Diese Ragwurz hat Blüten mit drei lanzettförmigen gelbgrünen äusseren Perigonblättern und zwei purpurfarbenen inneren Perigonblättern, sowie einer Lippe mit einem gräulich-blauen Fleck und keinem Sporn. Die Stängel dieser Orchidee kann einen halben Meter Höhe erreichen und trägt zwei bis zehn relativ weit auseinanderstehende Blüten. Sie wird fast ausschliesslich von Wespen der Art Argogorytes mystaceus bestäubt. Diese parasitoiden Wespen werden häufig auf Wolfsmilch und Doldenblütlern beim Nektarsammeln beobachtet. Sie jagen Larven von Gleichflügler der Familie der Schaumzikaden, die Pflanzen parasitieren, um deren Saft zu saugen. Ein Teil des angesaugten Safts wird von der Larve mit Luft versetzt und ausgeschieden, wodurch ein schaumiger Klumpen entsteht, der die Larve schützt. Dieses Schaumnester ist auch als «Kuckucksspucke» bekannt. Die Argogorytes erkennen diese Larven, lähmen sie und vergraben sie in ihren Gängen, um dort ihre Eier zu legen. Die jungen Wespenlarven ernähren sich von dem noch lebenden Gleichflügler. Die Fliegen-Ragwurz produziert identische Sexualpheromone wie die geschlechtsreifen Argogorytes-Weibchen, wodurch die Männchen angelockt werden. Diese pseudokopulieren mit den Blüten und stellen so die Bestäubung sicher.

ANEKDOTE

Eine Studie, die zwischen 1989 und 2015 in Deutschland in über 60 Schutzgebieten durchgeführt wurde, hat einen Rückgang von rund 75 % der Biomasse fliegender Insekten aufgezeigt. Studien in anderen europäischen Ländern bestätigen dieses erschreckende Ergebnis. Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist heute einstimmig über den Zusammenbruch der biologischen Vielfalt im Gange ist. Auch die Schweiz ist keine Ausnahme; der Zustand der biologischen Vielfalt ist insbesondere auf dem Schweizer Mittelland stark beeinträchtigt. Das Verschwinden der Insekten sitzt Pflanzen wie die Fliegen-Ragwurz stark unter Druck, da diese Art sehr spezifische und anspruchsvolle ökologische Erfordernisse braucht.

ERHALTUNG

Die Fliegen-Ragwurz wächst an Standorten, die besonders für invasive Neophyten geeignet sind. Ich hatte Glück, eine der seltenen Populationen im Kanton Freiburg zu beobachten. Diese wird leider von der Falsche Akazie (Robinia pseudoacacia) und der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) stark befallen. Ohne Hiebsmassnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung dieser invasiven Neophyten ist dieses Vorkommen in den kommenden Jahren dem Verschwinden geweiht. Der Kanton Basel-Landschaft ist der einzige, der in-situ-Massnahmen ergreift, um diese gefährdete Art auf nationalem Gebiet zu erhalten.

GEFÄHRDUNGEN

  • Zu dichte Vegetation, Verbuschung, Beschattung

  • Mahd vor dem Absamen

  • Ungeeignete Pflege und Nutzung

  • Zerstörung des Lebensraums

  • Trittbelastung, Ausgraben, Unwissenheit

  • Schleichender und multifaktoriell Rückgang

  • Inaturalist
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