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Dingel

Limodorum abortivum (L.) Sw.

Wie ihre dunkle, violette Färbung zeigt, wirkt diese geheimnisvolle Blüte des Unterholzes fast ohne Chlorophyll. Anstatt wie die anderen Pflanzen mit Photosynthese ihre eigene Energie zu erzeugen, schöpft der Dingel die notwendigen Nährstoffe für seine Entwicklung aus dem im Boden liegende Mykorrhiza-Netzwerk. Er schliesst sich daran an und profitiert ohne Gegenleistung von Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor, die zwischen den Bäumen ausgetauscht werden, ernährt sich von deren Zuckern und nutzt Wasser und Mineralstoffe, die von den Pilzen transportiert werden. Diese Pflanze ist besonders abhängig von Mykorrhizen von Russulaceae in Verbindung mit Eichen. Sie verbringt den Grossteil ihres Lebens mehrere Jahre lang als Rhizom im Boden. Wenn es ihr gelingt, genügend Ressourcen anzusammeln, erscheint sie im Mai in einem frischen, schattigen Boden. Zuerst könnte man denken, dass es sich um einen dunklen Pilz handelt, dann wächst diese Orchidee bald und erinnert an einen unwahrscheinlichen Spargel. Im Juni blüht sie und zeigt dann ihre hübsche, weisslich-gelbe, violett gestreifte Lippe sowie rötlich-violetten Perigonblätter. Im Notfall können einzelne Dingel-Pflanzen zudem Photosynthese betreiben, um ihre Nährstoffversorgung zu ergänzen.

ANEKDOTE

Ich habe lange nach dem Dingel in einem thermophilen Wald im Kanton Freiburg gesucht und nur vier Stöcke am Rand eines Waldwegs gefunden. Ich war so glücklich, diese Art zu finden, dass ich mehrere Ausflüge unternommen habe, um ihr Wachstum zu beobachten. Leider wurde ein Stock von einem Reh gefressen. Zwei andere wurden von Spaziergängern zertreten. Dieser Dingel ist der einzige, den ich blühen gesehen habe!

ERHALTUNG

Der Dingel wächst in lichten, thermophilen Wäldern oder an Waldgrenzen. Im Wallis gibt es starke Vorkommen, sowie einige in Jurabogen. Auf dem Mittelland ist diese Orchidee jedoch vom Aussterben bedroht: zum Beispiel, in Kanton Freiburg, stammen alle Beobachtungen von einem kleinen Vorkommen in einem thermophilen Wald entlang eines Weinwegpfads. Der Dingel ist eine Art, die in besonders seltene und bemerkenswerte Waldgesellschaft wie die typischen Eichen-Kronenillwälder wächst. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben sich diese lichte Waldaufbauen stark verschlechtert, vor allem durch intensive Nutzung. Zum Beispiel: der Verzicht auf traditionelle Bewirtschaftungsformen, der Übergang zur Hochwaldwirtschaft und das massive Ansteigen des Vorrats. In der Schweiz bleibt der Dingel weitgehend unbekannt und ist durch Zerstörung seines Lebensraums gefährdet.

Mykorrhiza-Netzwerk     

                                                                                     

Die symbiotische Beziehung zwischen Bäumen und Pilzen zeichnet sich durch ein hochvernetztes Myzelgeflecht aus, das ein unterirdisches System bildet, das als Mykorrhiza-Netzwerk bezeichnet wird. Dieses verbindet Bäume und Pilze miteinander und ermöglicht es den Bäumen, Signale und Nährstoffe auszutauschen, während die Pilze ernährt werden. Wenn die Samen des Dingels am richtigen Ort landen, werden sie zuerst von Mykorrhizen besiedelt und diese Besiedelung liefert Nährstoffe, die im Samen fehlen, und löst die Keimung aus. Die heranwachsende Orchidee profitiert von diesem Netzwerk, um zu wachsen und sich zu ernähren.

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© Dimitri Känel 2025

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