Dimitri Känel
Braunrote Sumpfwurz
Epipactis atrorubens Besser
Die Braunrote Sumpfwurz unterscheidet sich einfach von anderen Arten ihrer Gattung, insbesondere durch seine dunkelroten bis braunroten, manchmal violetten Blüten. Diese Sumpfwurz ist relativ häufig in der Schweiz, wird selten bis 60 cm hoch und wächst im Mittelland wie im Gebirge bis 2400 m ü. M. Es handelt sich um eine lichtliebende Art, die in gut exponierten Föhrenwald oder Schutthalden auf kalkhaltigen, sandigen Unterlagen, oft in voller Sonne wächst. Steife Blätter sind 2-zeilig angeordnet und sind entlang der ganzen Ähre vorhanden. Die kräftigsten Pflanzen tragen mehrere Dutzend Blüten in traubiger Anordnung. Diese sternförmig geöffneten, nektartragenden Blüten zeigen ein besonders auffälliges hellgelbes Staubblatt. Bei grosser Hitze verströmt diese Orchidee einen intensiven Vanilleduft. Die Braunrote Sumpfwurz kann bei starkem Blattlausbefall versiegelt werden, was die Blüten zum Absterben bringen kann. Bei mässiger Besiedlung von Blattläusen können Ameisen, die vom Honigtau angelockt werden, sogar zur Bestäubung beitragen.
ANEKDOTE
Die Familie der Orchideen gehört zu den artenreichsten im Pflanzenreich. Weltweit gibt es rund 30'000 Arten wilder Orchideen, und jedes Jahr werden neue entdeckt. Besonders ist, dass sie fast alle Lebensräume von der Ebene bis ins Gebirge besiedeln. Etwa 95 % von ihnen sind tropisch und epiphytisch. Das bedeutet, sie haften sich mit Luftwurzeln an anderen Pflanzen fest, meist an Bäumen. In der Schweiz sind sie alle terrestrisch, mit Ausnahme der Sumpf-Weichwurz. Tatsächlich wächst der Sumpf-Weichwurz auf Moosen und Torfmoosen, weshalb er als einzige schweizerische epiphytische Art gilt.
ERHALTUNG
Die Braunrote Sumpfwurz ist in der Schweiz weit verbreitet und nicht besonders gefährdet. Es ist interessant zu bemerken, dass diese Art im Juragebirge in einem besonders gefährdeten Lebensraum wächst. Tatsächlich sind subatlantische Pfeifengras-Föhrenwäldern auf mergelreichem Boden gefährdete und schützenswerte Lebensräume, für die die Schweiz internationale Schutzverpflichtungen hat. Dieser Lebensraum beherbergt typische und stark gefährdete Arten wie die Berg-Aster, die Knollige Kratzdistel oder das Berg-Täschelkraut.