Dimitri Känel
Affen-Knabenkraut
Orchis simia Lam.
Es lohnt sich, dieser lustigen Orchidee näherzukommen. Die Affen-Orchis (Orchis simia) verdankt ihren Namen ihren Blüten, die eine fröhliche Schar kleiner Affen mit Helmen bilden. Der kugelförmige Blütenstand hat die seltene Eigenschaft, von oben nach unten zu blühen. Das hilft, sie von ihrem nahen Verwandten, dem Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), zu unterscheiden, dessen pyramidaler Blütenstand wie bei den meisten Orchideen umgekehrt blüht. O. simia besitzt zudem eine Lippe mit feineren, flexibleren Gliedmassen, die nach vorn gestreckt sind. Die Blüten der Helm-Knabenkraut ähneln eher einem muskulösen Männchen mit ausgebreiteten, flachen Lappen. Diese Art ist kälteempfindlich und es scheint, dass der Klimawandel die Bedingungen für diese Art verbessert. Dennoch bleiben ihre Bestände schwächlich, da ihr einziger Lebensraum, die mitteleuropäischen Halbtrockenwiesen, stark schrumpft.
ANEKDOTE
Eine in Frankreich durchgeführte Studie hat gezeigt, dass diese Orchidee insbesondere von Cidnopus pilosus bestäubt wird, einem kleinen Käfer aus der Familie der Schnellkäfer (Elateridae). Auf Französisch, wegen der Gänge, die sie in den Boden graben, werden sie gerne «Taupins» genannt. Auf Englisch heisst er «Click beetle» wegen des lauten Klicktons, mit dem er sich vor Feinden schützt, indem er sich totstellt und zu Boden schleudert. Dieser Käfer macht keinen Unterschied zwischen Affen-Orchis und Ohnsporn (Aceras anthropophorum), die oft nebeneinander wachsen. Er überträgt und kreuzt die Pollinien dieser beiden Arten häufig. Diese Austausche führen zu schönen, farbenprächtigen Hybridisierungen.
ERHALTUNG
Die Affen Knabenkraut gilt in der Schweiz als verletzlich. Mit einer mediterran-atlantischen Verbreitung, vom Süden Englands bis in den Osten Georgiens, kann diese Art bedeutende Populationen bilden, wenn es ihr gelingt, sich in vollem Licht auf einem neutralen bis kalkhaltigen, relativ trockenen Unterboden anzusiedeln. Sie bleibt jedoch selten und sehr sporadisch trotz ihrer weiten Verbreitung. Alle Populationen sind infolge des Verlusts ihres Lebensraums einem fortschreitenden Rückgang ausgesetzt. Wie der Dreizähnige Knabenkraut ist sie eine Orchidee, die durch traditionelle Beweidungsformen gefördert werden kann.
GEFÄHRDUNGEN
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Kleine, isolierte Vorkommen
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Ungeeignete Pflege und Nutzung
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Konkurrenz, Verbuschung
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Sammeln, Ausgraben von Pflanzen, Tritt
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Zerstörung des Lebensraums